Kegel Navigate World Tour 2009

Kegel Navigate World Tour 2009

Am 26.01.2009 ab 09:00 Uhr war es nach 3 Jahren wieder soweit. Es begann das Bahnpflegeseminar im Rahmen der Kegel Navigate World Tour 2009 in Berlin in der Bowl Arena Spandau.

Die Firma Bowltech organisierte und begleitete mit viel Engagement dieses Seminar, wie bereits in den Jahren zuvor. Peter Lenders, Projekt Management und Bahnpflegemaschinen bei Bowltech, übernahm die Registrierung und freute sich viele, über Jahre, bekannte Gesichter wieder zu sehen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass die gesamte Organisation professionell und das Service-Team sehr höflich und sehr aufmerksam war, ohne die Redner zu stören! Trotz der vielen Teilnehmer hat jeder einen Platz gefunden und konnte dem Seminar gut folgen. Später lobte Don Agent die ausgesprochen leckeren Spare Ripps!

Foto von links nach rechts: Peter Lenders, Gus Falgien, Don Agent, Rolf C. Dannehl

Rolf C. Dannehl, General Manager / Prokurist von Bowltech Deutschland, eröffnete das Seminar und begrüßte die Teilnehmer.

Don Agent bezieht klar Stellung für Sportbowling, betont aber, das Bowlingcenter einen guten Mix aus Sport- und Freizeitbowlern benötigen.

Um den Centern ein guter und kompetenter (Ansprech-)Partner zu sein, sammelt die Firma Kegel überall auf der Welt Informationen auf Turnieren von Spielern und Centern über Bälle, Reiniger, Öle, …  Die hier gewonnen Informationen fließen direkt in die Entwicklung der neuen Produkte ein.

Die größte Anforderung ist das Herstellen von konstanten Bahnverhältnissen. Auch wenn diese schwierig sind, kann man sich darauf einstellen, wenn man immer wieder unter gleichen Bedingungen trainieren kann! Dieses ist aber nur möglich, wenn die Maschine regelmäßig gewartet und kontrolliert (z.B. die Öl- bzw. Reinigermenge) wird .

Don erklärt, wenn ein Bowler sagt, da stimmt was nicht mit der Bahn, oder die Bahn ist heute anders, dann hat er in 90 Prozent aller Fälle recht! Das heißt aber nicht, das der Techniker einen schlechten Job gemacht hat, sondern eher das die Maschine ein Problem hat oder andere Reiniger bzw. Öle verwendet wurden.  Die Reinigung der Bahn ist wichtiger als die Ölmuster, denn das Öl braucht eine saubere Bahn, um bestmöglich auf der Bahnoberfläche zu haften. Don fragt in die Runde, wer die Bahnen 1x pro Woche nur reinigt ohne zu ölen? Wer kontrolliert die Backends  nach der Ölung? Don möchte damit die Bahnpfleger sensibilisieren, nicht nur der Maschine zu vertrauen, sondern auch ein Gespür für die Ergebnisse zu entwickeln. Probleme können auch beim Mischen des Reinigers mit Wasser durch verschiedene Personen auftreten. Der Eine nimmt mehr, der Andere weniger Reiniger. Der Eine nimmt warmes Wasser, der Andere kaltes Wasser zum Mischen. Dadurch können identische Ölmuster unterschiedlich empfunden werden.

Don empfiehlt die Bahnen 1 und 2 doppelt zu pflegen, da die Bürste, die das Öl auf die Bahn überträgt, anfangs noch sehr trocken ist und noch nicht die optimale Ölmenge aufnehmen kann.  Danach erklärt Don wie die Maschine reinigt und gibt Tipps, wie die Reinigungsleistung erhalten bleibt. Es sollte auch regelmäßig die verbrauchte Reinigermenge kontrolliert werden, da diese sich im laufe der Zeit ändert (Düsen verkalken oder verstopfen, die Pumpenleistung lässt nach…). Wenn ein Spieler sagt, es ist mehr Öl auf der Bahn (obwohl es das gleiche Programm ist) , oder zu viel carry down (in den hinteren, trockenen Bereich der Bahn getragenes Öl) entsteht, ist dieses häufig auf eine schlechte Reinigung zurück zu führen. Auch verwenden einige Center günstigere Produkte als original Kegelprodukte. Bei diesen ist z.B. das Tuch dünner und nimmt weniger Reiniger / Öl auf, oder der Reiniger ist nicht auf das verwendete Öl abgestimmt. Das optimale Mischungsverhältnis zwischen Reiniger und Wasser ist von Center zu Center unterschiedlich. Zu viel Reiniger hinterlässt einen Film, so dass das Ölbild nicht haften kann. Zu wenig hinterlässt Schmutzrückstände, die ebenfalls die Haftung verschlechtern. Das beste Mischungsverhältnis ist mit dem Auge nicht sichtbar, sondern nur durch Messungen, oder aber einfach über Spielen herauszufinden (gute Ballreaktion, geringes carry down). Bei sehr hartem Wasser könnte auch ein Kalkfilter die Reinigungsleistung verbessern. Bei der Bahnpflege sollte man zur Kontrolle die Maschine auf sich zukommen lassen, um zu sehen, ob der Reiniger gleichmäßig auf die Bahn gebracht wird. Als Test sollte alle Bahnen nur gereinigt und alle Bahnen kontrolliert werden, da unter Umständen die Probleme im Bahnbelag liegen und nicht in der Wartung.  Don übergibt an Gus, der nun in die Topographie (Landschaft) der Bahnöberfläche einführt.

Die Bahnoberfläche besteht (um bei der Landschaft zu bleiben) aus Bergen und Tälern. Die maximale Abweichung darf 1mm nach oben und unten sein. Bereits ab der Hälfte sind bereits Veränderungen im Balllauf zu sehen. Aus diesem Grund ist die Hälfte auch die maximale Toleranz von Kegel für die großen Turniere. Die Berge und Täler können durch Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwanken vergrößert, bzw. verkleinert werden. Von Kegel gibt es ein Gerät zum Messen, dieses heißt Lane Mapper. Bei Belägen mit stärkeren Bergen und Tälern ist eine Möglichkeit die Bahn bespielbarer zu machen die Ölmenge zu erhöhen.

Weiterhin sind für höhere Ergebnisse auch die kick back boards relevant. Diese boards befinden sich rechts und links neben dem Pindeck und sollen dafür sorgen, dass Pins auf das Pindeck zurück geschleudert werden und somit gegebenenfalls weitere Pins umhauen. Im Laufe der Zeit werden diese weich.

Umstritten ist die Anhebung des hinteren Pindecks (Spezifikation beachten). Dadurch werden die Pins nicht so leicht nach hinten raus geschossen und können sich leichter gegenseitig umhauen.  Auf das nächste Thema waren alle Anwesenden sehr gespannt: Ölmuster!

Grundsätzlich werden diese eingeteilt in kurz (36 Fuß oder weniger), mittel (37 – 42 Fuß) und lang (mehr als 43 Fuß).

Die mittleren Ölmuster sind für verschiedene Bowlertypen leichter zu spielen.

Die Ölmenge nimmt in der Regel langsam nach hinten ab. Geregelt wird die Ölmenge über die Fortbewegungsgeschwindigkeit der Maschine, da die Pumpe für das Öl eine konstante „Fördermenge“ hat.

Stabile Ölmuster bieten ein relativ konstantes Fenster für den Breakpoint, so dass der Bowler sich „nur“ nach links, bzw. rechts in der Aufstellung anpassen muss.   Wie schon anfangs erwähnt, war der „Saal“ voll und bei diesem Thema Mucksmäuschen still!  Doch wieviel Öl soll es denn sein?

Mehr Öl überbrückt Höhen und Täler, jedoch müssen Öl und Reiniger zueinander passen. Das Öl muss wiederum zum Belag und zur Maschine passen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt und die Bahn ist ordentlich gereinigt, legt sich das Öl besser, hält länger und wird nicht so stark nach hinten getragen   Zwischenfrage aus dem Publikum: Wie lange soll das Muster vorm Wettkampf liegen? Antwort: Idealerweise 15 Minuten nach der letzten Bahn (mindestens jedoch 5 Minuten). Herrschen noch niedrige Temperaturen auf der Bahn, verlängert sich die Zeit.

Nachfrage: Auch über Nacht möglich? Antwort: Besser nicht, das Ölbild bricht schneller ein.

Obwohl höheres Öl in der Regel leichter zu spielen ist, kann eine höhere Ölmenge und eine höhere Viskosität (die Fähigkeit sich zusammenzuziehen) den Ball bremsen und dessen Energie schlucken.

Da Öl teuer ist, stellt sich auch die Frage, ob alle Bereiche der Bahn gleich geölt sein müssen. Hier hat Kegel gemessen, dass die Bowler früher eher über die Leisten 07-10 gespielt haben, heute jedoch stärker über die Leisten 10-13 spielen. Konsequenterweise sollten diese Bereich eine höhere Ölmenge erhalten. Sofern der Anteil der Linkshänder eher gering ist, kann natürlich auch auf der linken Seite etwas gespart werden.  Die Ölmuster werden in 2 Gängen auf die Bahn aufgetragen: Vorwärts und Rückwärts. Im Vorwärtsgang wird die Form des Bildes aufgetragen, im Rückwärtsgang das Öl aufgetragen, um die Bahn zu schützen. Weiterhin wird im Rückwärtsgang die Menge des Öls in der Midlane bestimmt, die für die Verlagerung des Breakpoints zuständig ist.  Selbst die kleinen Zwischenpausen wurden für Fachgespräche genutzt. Foto Gus mit Bernd Timm (links) und Bodo Konieczny.

Frage an Peter Lenders: Wie lange halten die Bahnbeläge? Peter Lenders ca. 20 bis 25 Jahre.  Um die Wirkung von Bahnpflege, Bahnbelag und Ölmuster zu verdeutlichen, stelle ich hier die Ligaergebnisse aus der aktuellen Saison der untersten Berliner Spielklasse (BBV) zweier Hallen gegenüber: 163,85 Pins und 178,3 Pins Differenz: 14,45 Pins

Noch deutlicher ist dieses in der Landesliga, der höchsten Berliner Spielklasse (BBV), zu sehen: 188,93 Pins und 209,91 Pins Differenz: 20,98 Pins

Das heißt NICHT, dass die Hallen besser oder schlechter sind, da ja viele Faktoren zu berücksichtigen sind. Es zeigt lediglich, das hohe Ergebnisse und Schnitte durchaus von dem einen oder anderen Hallenbetreiber gewollt sind.

Kegel hat für die aktuelle Ölmaschine (mit transfer brush system) Ölmuster entwickelt, kategorisiert und zur Verfügung gestellt: Sport, Wettkampf und Freizeit. Die Einteilung erfolgt über den Hauptparameter „Ratio“. Mit Ratio wird das Verhältnis der Ölmenge von den Leisten 3-7 zu der Ölmenge auf den Leisten 18-22 bei 22 Fuß auf der Bahn bestimmt. Sport: Ratio kleiner 3, Wettkampf: Ratio zwischen 3 und 5, Freizeit: Ratio größer 5.

Grundsätzlich gilt: je geringer des Verhältnis ist, desto schwerer ist die Bahn zu spielen. Allerdings konnten wir auf dem aktuellen 1. BL-Start in Berlin sehen, das ein hohes Verhältnis (1:9,5!) nicht unbedingt stabile Verhältnisse bedeuten.  Kegel hat Logos zur schnellen Einschätzung für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade entwickelt.   Leichtes Ölmuster, innen viel Öl, außen wenig öl   Mittleres Ölmuster, in der Mitte weniger Öl, aber wesentlich breiter  Sportmuster, weniger Öl in der Mitte, breite und nimmt nach hinten nur leicht ab.  Warum ist es dennoch möglich, dass sich das Ölmuster unterschiedlich „anfühlt“, bzw. verändert?

Alter der Bürste, je älter, desto mehr klumpen die einzelnen Fasern zusammen (siehe Bericht Seminar 2006 (KLICK). Maschinengeschwindigkeit hat sich geändert. Rauere Bahnoberflächen können das Öl stärker von der Bürste ziehen. Unterschiedliche Öle mit unterschiedlicher Viskosität haften anders. Die Pumpe für das Öl muss kalibriert werden.   Wir haben sehr viel über Bahnpflege und Ölmuster gelernt. Fantastisch!! Übersichtlich und Verständlich!

Doch was fangen wir damit an???

Warten wir jetzt die Maschine und reinigen die Bahn? Ja, wenn die Zeit dafür ist, klar. Tauschen wir jetzt die kick back boards aus, bzw. „härten“ diese? Ja, wenn es machbar ist. Heben wir jetzt die Pindecks an? Hmmmm, sofern es innerhalb der Spezifikationen ist, kann man dieses schlecht verbieten. Passen wir die Ölmuster so lange, bis auch in der Hausliga ein 200’er Schnitt normal ist? NEIN, bitte, bitte nicht!

Don empfiehlt für die Bowler konstante Bedingungen zu schaffen, die sich in definierten Abständen ändern und nach und nach anspruchsvoller werden. Dieses fördert den Sport und Ehrgeiz.

Eine Frage möchte ich in den Raum stellen: Was ist Bowling als Sportart wert, wenn man ohne großen Trainingsaufwand in kurzer Zeit einen PBA konformen Schnitt (Mike Machuga 212,54 Pins) erreichen kann? Ist das nicht ein wenig wie Marathonlauf mit dem Auto?  Vollgestopft mit Informationen ging es zum nächsten Highlight: Aus einem Lostopf wurden 8 Teilnehmer gezogen, die einen Bowlingball gewannen.      Nach der Verlosung ging es auf die Bahn, um die Maschine in Augenschein zu nehmen.  Die aktuelle Kustodian unterscheidet sich dadurch, dass das Öl nicht mehr auf eine Stahlwalze gespritzt wird, welches das Öl dann auf die eigentliche Bürstenwalze überträgt, sondern das Öl wird auf eine Bürste gespritzt.      Ein langer 15-Stunden Tag geht zu Ende, doch dieser Tag hat mich wieder in meiner Vorstellung bestärkt, dass Bowling durchaus als Sportart betrieben werden kann!