Interview Marco Baade 2014

DSC06001Das folgende Interview mit Marco Baade habe ich am 27.12.2014 nach den World Men Championships 2014 in Abu Dhabi in seinem Pro Shop in der Bowl Arena Spandau geführt.

Mein Ziel war es einen Blick hinter die Kulissen einer WM zu geben, für diejenigen, die davon träumen aber wohl nie dabei sein werden. Keineswegs geht es um eine Analyse der Ergebnisse.

Dieses geschah nicht als Lehrwart des Berliner Bowlingsport Vereins, sondern als interessierter Trainer und Bowler. Nur wenige Bowler schaffen den Sprung nach ganz vorne. Marco Baade ist einer der Wenigen, genau genommen einer von 6, der mit zur Weltmeisterschaft der Herren 2014 fahren durfte!

Jens Ulmann: Warst Du bereits vor der WM in Abu Dhabi?

Marco Baade: Nein

Jens Ulmann: Was ging Dir durch den Kopf, als sicher war, dass Du mitfährst?

Marco Baade: (nachdenkliches Schweigen). Natürlich hatte ich gehofft, mitfahren zu dürfen, obwohl der Zeitpunkt der WM in mein Weihnachtsgeschäft gefallen ist. WM ist das geilste, was es gibt! Ich hatte es erst 2 Monate vorher erfahren und das fand ich schon ziemlich kurz.

Jens Ulmann: Hast Du Dich vor der Abreise mit Abu Dhabi beschäftigt?

Marco Baade: Ich habe mir ein paar Bilder angeschaut. Aber Achim (Grabowski) war vor 15 Jahren schon einmal da und er hat aus seinen Erinnerungen erzählt. Als er wieder da war, hat er aber auch nichts wieder erkannt, Es hatte sich alles verändert, bis auf die Bowlinghalle.

Jens Ulmann: Was hast Du für Klamotten eingepackt?

Marco Baade: Wir wussten, dass es im Dezember nicht regnet und über 25 Grad hat. Somit war es schon komisch Sommerklamotten einzupacken, obwohl ich mich hier in Deutschland auf Weihnachtsgeschäft vorbereitet habe.

Jens Ulmann: Ballmaterial? Woran hast Du Dich orientiert?

Marco Baade: Wir wussten ja im Vorfeld, dass wir auf medium und long werfen. Beim Lehrgang haben wir uns darüber auch noch ausgetauscht. Allerdings hatten wir Urethane-Bälle zu Hause gelassen, da wir nicht auf short spielen würden. Das hat sich vielleicht im Nachhinein als Nachteil erwiesen.

Jens Ulmann: Wie war die Stimmung im Flughafen?

Marco Baade: Wir sind in 2 Gruppen geflogen, da wir Direktflüge hatten. Einmal die Nordgruppe mit Timo, Achim, Tobias, Peter und ich und die Südgruppe.

Jens Ulmann: Wie lang ging der Flug?

Marco Baade: 6 Stunden und die Flieger kamen innerhalb von 30 Minuten hintereinander an.

Jens Ulmann: Wann seid ihr angekommen? Wie war das Wetter?

Marco Baade: Abends, ungefähr gegen 20 Uhr. Warm, ca. 25 Grad. Dort wird es ab ca. 16:30 Uhr schlagartig komplett dunkel. Nicht so schleichend wir hier. War schon komisch.

Jens Ulmann:Dann direkt ins Hotel? Eindruck?

Marco Baade: Nein, mit dem Shuttle zuerst zur Halle, wo wir die Bälle abgegeben haben. Dann haben wir uns kurz die Halle angesehen und sind dann ins Hotel. Das Hotel hatte 3 Sterne und war vergleichbar mit einem Business-Hotel. Kein Super-Luxus-Hotel. Es lag ca. 25 Minuten zu Fuß von der Halle entfernt.

Jens Ulmann: Wie war das Essen?

Marco Baade: Ungewohnt, aber im Prinzip gab es alles. Wir sind überwiegend Essen gegangen. In einer Einkaufspassage, da gab es eine “Fressmeile”.  Das Frühstück haben wir im Hotel zu uns genommen. War klassisch, von jedem etwas. Auffallend war, dass es dort für die Touristen sehr viel Fastfood-Restaurants gab.

Jens Ulmann: Wie sahen eure Tage aus?

Marco Baade: Wir haben jeden Tag zusammen gefrühstückt und wenn möglich uns gegenseitig auf der Halle unterstützt und zu geschaut. Auch bei den Bowlern aus anderen Nationen, um zu sehen, wie die spielen. Abends haben wir zusammen gesessen und den Tag analysiert. Danach sind wird dann in die Stadt gefahren und haben uns diese angeschaut. Aufgrund der nur 3-stündigen Zeitverschiebung haben wir uns nach 2 Nächten recht gut angepasst und konnten schlafen.

Jens Ulmann: Hattet ihr Zeit zu regenerieren?

Marco Baade: Im Prinzip konnten wir uns nach unserem jeweiligen Spiel 1 – 2 Stunden ausruhen und zurückziehen. Aber Zeit für den Fitness-Raum oder Pool hatten wir nicht. Körperlich fanden wir die Spiele nicht so anstrengend, eher für den Kopf. Du musst dich voll konzentrieren und kannst dir Fehler nicht erlauben. Die Betreuer waren den ganzen Tag auf der Bahn.

Jens Ulmann: Konntet ihr zwischendurch trainieren?

Marco Baade: Nein, auf der Wettkampfbahn darfst Du nicht trainieren und auch die 6 Wettkampf-Bälle nicht entfernen.

Jens Ulmann: Waren die Sportler aus den anderen Ländern Athleten (durchtrainierte, sportliche Typen)?

Marco Baade: Ja, passt. Viele Nationen leben das aber auch ganz anders. Sie machen eben nur “Bowling”. Morgens, Mittags und Abends und auch mal Zwischendurch ;-) . Viele sind auch Voll-Profis, mit den deutschen Verhältnissen gar nicht zu vergleichen. In einigen Ländern ist Bowling auch Schulsport, die Kinder und Jugendlichen werden so ganz anders heran geführt. Die Koreaner kommen ca. 3 Monate vorher in ein Trainingslager und bereiten sich gemeinsam auf die WM vor.

Jens Ulmann: Wie war deine Vorbereitung in Deutschland?

Marco Baade: Ich habe mein Training vor die Öffnungszeit meines Shops gelegt, da es nach der Arbeit keinen Sinn macht. Trainiert habe ich auf frischen Bahnen mit verschiedenen medium und long Ölmustern.

Jens Ulmann: Wie hast Du trainiert? Ernährung, Arbeit, Sport?

Marco Baade: Ich habe nichts anderes gemacht, außer mein Training intensiviert. Natürlich habe ich mich auch sehr kritisch mit meinen Bällen auseinandergesetzt.

Jens Ulmann: Frank Wilde prägt in seinem Buch “Beweg Deinen Arsch” den Spruch: “Gewonnen und Verloren wird zwischen den Ohren”. Hast Du Dich mental vorbereitet?

Marco Baade: Nein, nicht speziell, der Schwerpunkt lag auf den Ölmustern und der Technik.

Jens Ulmann: Sind die anderen Länder besser geworden, oder wir schlechter?

Marco Baade: Ich sehe uns nicht so weit weg. Sicherlich gibt es Länder, die bessere Voraussetzungen schaffen, aber wir müssen uns keineswegs verstecken!

Pascal hat Tommy Jones (PBA-Spieler) angesprochen und ihn gefragt: “Siehst Du bei uns was gravierendes, was wir falsch machen?” Er antwortete: “Ne! Ihr seid eine Mannschafft, ihr seid gut, aber man merkt, dass ihr es nicht täglich lebt.”

Jens Ulmann: Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Marco Baade: Die Vorbereitung könnte optimiert werden, der Zeitpunkt von der Nominierung bis zur Meisterschaft sollte schon 4 Monate betragen. Auch wäre ein Physio schön oder auch mal mentale Geschichten.

Jens Ulmann: Lieber Marco, vielen Dank für das Interview!

Unten seht ihr ein paar Fotos, die Marco freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.

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