DBU Academy „DBU Sportpattern“ 2012

 Erstmalig veranstaltet die DBU Academy eine Seminarreihe. Auf der Homepage der DBU wird versprochen:

„In loser Folge vermitteln erfahrene und renommierte Experten theoretisches und praktisches Know-How zu unterschiedlichen Themen rund um den Bowlingsport für jedermann; dezentral und kostengünstig.“

 Die Agenda verspricht nicht weniger:

Thema: Spieltaktik.

  • Am Beispiel der Bundesliga-Sport-Pattern 2012/13: Worin unterscheiden sich diese Ölbilder von einem House-Pattern und warum?
  • Die Topographie der Bahn: Unterschiedliche Bahnoberflächen und ihre Auswirkungen
  • Einflussfaktoren für das Laufverhalten eines Balles: Auswirkungen von Öllänge, -menge und Ratio
  • Ölbilder und Bahnen lesen
  • Spiellinien und Breakpoint
  • Materialauswahl in Abhängigkeit von den Bahnbedingungen
  • Spielvarianten: Die Reaktion auf Veränderungen der Bahnbedingungen
  • Praktische Demonstration und eigenes Training auf verschiedenen Pattern mit individuellem Feedback durch die Coaches

Dieser Bericht bezieht sich auf den Termin am 03.10.2012 in Hildesheim im Bowlingcenter CCR Bowling.

Experte: Peter Knopp (Pro-Shop Betreiber, 1991 – 1994 Mitglied der PBA, USBC Bronze Coach, erfolgreicher PBA Senior Tour Teilnehmer, …).

Mit 22 Teilnehmern beginnt Peter Knopp pünktlich um 09:30 und stellt die Agenda vor.

Danach liefert er die Erklärung für die Einführung von sportlichen Ölmustern in der Bundesliga: Bisher hat jede Halle eigene Ölmuster verwendet. Es gab keine Transparenz und sie waren, wenn sie veröffentlicht wurden, nicht überprüfbar. Einige waren extrem leicht, andere nahezu nicht bespielbar. Im Interesse des Bowling-Sports wurde entschieden (DBU Sportausschuss 14.01.2012 (KLICK)), analog zu den Ölmustern der PBA (KLICK) standardisierte Ölmuster für die Bundesligen einzuführen. Gerne hätte man auf die offiziellen Ölmuster der PBA zugegriffen, was aus lizenzrechtlichen Gründen aber zu teuer ist. Somit wurden einige freie Ölmuster der Firma Kegel ausgewählt (1. BL WTBA (KLICK) und 2. BL Challenge Pattern (KLICK)).

Identische Ölmuster sind zwar dennoch grundsätzlich nie identisch, da sie sich in Abhängigkeit des Bahnbelages, der Bahnpflegemaschine und deren Zustand, dem verwendeten Öl und Reiniger und unterschiedlichen klimatischen Bedingungen anders spielen lassen. ABER: Sie sind vergleichbarer, überprüfbarer und in der Schwierigkeit anhand bestimmter Parameter (kommt später) einstellbar.

Peter erklärt, dass erste Ansätze bei der Einführung der sportlichen Ölmuster als Testphase in der letzten Saison zu viel Unmut geführt hat. Während die 1. Bundesliga überwiegend klar gekommen ist, gab es in der 2. Bundesliga teilweise extreme Einbrüche und damit auch Unverständnis. Daraus resultiert, das in der aktuellen Saison für die 2. Bundesliga leichtere, aber dennoch anspruchsvolle Ölmuster verwendet werden. Doch das hätte sicherlich nicht gereicht, die Sportbowler zu mehr Training zu motivieren. Denn was kann ich damit anfangen, wenn die Ölmuster schwerer sind und ich darauf nicht trainieren kann?! Somit wurde das erste Seminar der DBU Academy entwickelt: Einführung der Sportpattern und Informationen, wie diese zu bespielen sind! Gleichzeitig können die Hallen für ihre Sportbowler die Ölmuster herunterladen und die Bahnpflegemaschinen damit programmieren.

Da sich die DBU klar positioniert hat und auch zukünftig sportliche Ölmuster in den Bundesligen verwenden wird, sollten sich auch die Vertreter der jeweiligen Landesligen überlegen, ob sie sich den Ölmustern der 2. BL anschließen. Denn spätestens in den Aufstiegsspielen könnte es sonst ein böses Erwachen geben. Grundsätzlich so führt Peter aus, sollten Bowler die trainieren, besser sein, als Bowler, die nicht trainieren. Das war und ist auf einfachen Hausshots nicht immer so… ;-).

Allerdings kommt jetzt der heikle Punkt: Überprüfung des durch die Halle aufgebrachten Ölmusters! Dazu hat die DBU eine Maschine erworben: den Lane Monitor. Mittels eines auf die Bahn gelegten Teststreifens, wird die unterschiedliche Menge des Öls auf den Teststreifen übertragen und dann mittels Lane Monitor ausgewertet. Diese Überprüfung soll vor jedem Start der 1. BL punktuell vorgenommen werden.

Nach der sehr umfangreichen Einleitung beginnt Peter Knopp mit den Grundsätzen des Balllaufverhaltens und des Bahnlesens. Er spricht sehr lebendig und nimmt immer wieder Bezug auf seine eigenen Erfahrungen, auch und gerade im Wettkampf mit den amerikanischen Profis. Die Teilnehmer hören sehr interessiert zu und saugen das umfangreiche Wissen geradezu auf.

Die 3 Phasen des Balllaufs (Skid, Hook und Roll), mit dem Hinweis: „A bowling ball hits harder AFTER it stops hooking, not while it’s still hooking.“!

TIP: Es ist leichter, den Balllauf zu kontrollieren, wenn die Oberfläche des Balles nicht poliert ist, sondern mit (Abralon-)-Pads mit 500, 1000, 2000 oder 4000 Grid angepasst wird.

Dann der Übergang zum Spieler: Spieltempo, Anzahl der Umdrehungen, Achsenrotation und Achsentilt.

Einige Bowler wundern sich, dass sie trotz sehr hoher Umdrehungen nicht wirklich hohe Ergebnisse spielen. Das gleiche gilt für Bowler mit einem sehr hohen Tempo und wenigen Umdrehungen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Ballgeschwindigkeit und Umdrehungen. Anhand einer Tabelle erläutert Peter, das einige Bowler deutlich höhere Ergebnisse spielen könnten, wenn die Umdrehungen im Verhältnis zur Geschwindigkeit stehen würden. Er zeigt Videos vom Throwbot (Ballwurfroboter (KLICK)) und über Achsenrotation und Achsentilt.

UPS, vom Wissen erschlagen??? Nein, auch das Wollpaket hat sich schnell wieder erholt :-). Doch obwohl Peter die ganze Zeit geredet

hat, konnte er auch in der folgenden Pause nicht wirklich durchatmen.

Rechts neben ihm steht Oliver Mielenz, der Peter im Folgenden unterstützte.

Andere Teilnehmer nutzten die Pause um auf der Terasse ein wenig frische Luft zu schnappen und das Gehörte Revue passieren zu lassen. Dabei war das noch nicht einmal die Mittagspause…

Das folgende Thema befasst sich mit dem Zusammenbruch. Allerdings nicht unserem, sondern dem des Ölmusters, dem Breakdown. Das ist keine Katastrophe, sonder ein normaler Vorgang. Im Gegensatz zu den ersten Plastikbällen nehmen die heutigen aggressiven Bowlingbälle das Öl auf und tragen es nicht mehr nach hinten (Carry Down, kommt später). Spielen nun viele Spieler aggressive Bälle über die gleiche Linie, verschwindet in diesem Bereich das Öl. Das Ölvolumen vermindert sich bis zu 52% und das Ratio kann sich z.B. von 2,2:1 bis auf 6:1 erhöhen. TIP: Gute Spieler (Mannschaften) machen sich das zunutze und verändern so bewusst die Bedingungen!

Als Pro Shop Betreiber kennt sich Peter natürlich aus mit unseren Sportgeräten aus: den Bowlingbällen! Er macht Abstecher in die Kerne und erläutert den Unterschied zwischen symmetrischen und asymmetrischen Kernen.

Weiter geht er auf die verschiedenen Oberflächen und deren Zusammensetzung und gegebenenfalls Zusätze (Partikel) ein.

Natürlich darf auch das Ball- oder Bohr -Layout nicht fehlen.

Allerdings erklärt er hier augenzwinkernd, dass das Ball Layout bei vielen Bowlern nicht so wirklich entscheidend ist.

In erster Linie ist es die konstante Abgabe des Spielers und dann die Oberfläche des Balles.

ABER: Der Ball muss perfekt auf die Hand passen!

Von der Oberfläche des Balles zur Oberfläche der Bahn: Die Topografie. Wahrscheinlich wird die überwiegende Anzahl der Bowler davon ausgehen, dass alle Bahnen gleich glatt und gerade sind. Doch das stimmt nicht einmal für ein Bahnenpaar.

Mit Hilfe des Lane Mappers ™ von Kegel können die Bahnen vermessen und eine „Landkarte“ erstellt werden. So ist zu erkennen, wie stark der Balllauf durch Erhöhungen, Vertiefungen, Links / Rechts Gefälle und Längengefälle gegebenenfalls beeinflusst wird. TIP: Je höher das Ballgewicht, desto geringer die Abweichung durch Unebenheiten. Im Juni 2012 wurden die Bahnen im A10 Bowling in Wildau vermessen (KLICK).

Während wir noch über Berg und Talfahrten nachdachten, wurden die Bahnen bereits mit der Kustodian Bahnpflegemaschine für den praktischen Teil vorbereitet.

Na, ob da nicht heimlich Tipps an Außenstehende weiter gegeben wurden ;-)?

 Die nun folgende Mittagspause wurde vielfältig genutzt.

Die einen schrieben Grüße an die Heimgebliebenden, andere frönten ihrem Laster und wieder andere warteten geduldig, bis die 23 Gerichte und Getränke zubereitet und aufgetischt wurden.

Dann gab es da noch die Gruppe der immer Neugierigen: die Pro Shop Gucker ;-)!

Oliver Mielenz erklärte mit großem Erfahrungsschatz die Vorzüge der aktuellen Bowlingbälle.

Auch ergänzte er die bereits sehr ausführlichen Erläuterungen von Peter Knopp in Hinblick auf Bälle verschiedener Hersteller.

Seit Belmonte werden auch Sparebälle zum reaktiven Anwurfball!

Doch nun wurde es ruhig: Jägerschnitzel, Pommes, Salat und ein Getränk. Inklusive, heiß auf den Tisch gebracht und lecker!

 Die verbrauchten Kalorien wurden wieder aufgefüllt und wir waren gespannt, was nun noch kommen konnte.

Es ging genauso umfangreich und anschaulich weiter. Die Ölmuster werden veröffentlicht, aber was fange ich mit den Informationen an? Die wichtigsten Informationen sind die Öllänge, die Ölmenge und die Verteilung. Jede einzelne Angabe sagt nicht viel aus, sondern die entsprechenden Abhängigkeiten. Beispiel: Es werden 24 ml Öl verwendet. Einmal ist das Ölmuster 35 ft lang, dann 43 ft. Es liegt auf der Hand, das die gleiche Ölmenge verteilt auf eine viel kleinere Fläche sich anders verhält. Dazu kann das Öl gleichmäßig Innen und Außen, oder Innen viel stärker und Außen viel weniger aufgetragen sein. Die wohl wichtigste Angabe ist das Ratio, das Verhältnis der Ölmenge in der Mitte der Bahn und der Ölmenge Außen. Hier gilt: Ratio bis 3:1= Sport, 3:1 – 5:1=moderat, größer 5:1 einfach (Hausölung). Weiterhin sind (mit aggressiven Bällen) kurze Ölmuster für die Mehrheit schwerer zu spielen, als längere.

Kompliziert? Ja, ABER… Es gibt ja noch die Slowinski-Liste. Hört sich geheimnisvoll an, ist aber eigentlich ganz simpel. Joe Slowinski, USBC Gold Coach (KLICK), hat eine Liste entwickelt, aus der hervor geht, bei welcher Leiste der Ball das Ölmuster am Ende des Ölmusters verlassen muss. Der sogenannte Exit-Point lässt sich ganz einfach bestimmen: Länge des Ölmusters – 31! Beispiel: Öllänge: 38 ft. Damit Exit-Point bei 38 ft: 38 – 31 = Leiste 7. Knackpunkt: Wie überprüfe ich, ob ich die Leiste 7 nach 38 ft auch tatsächlich getroffen habe? Also doch nicht ganz einfach, aber zumindest eine weitere Hilfestellung, die ich natürlich im Training ausprobieren kann!

Diese Liste basiert auf USBC Tests, in denen festgestellt wurde, dass der optimale Einschlagwinkel in der Gasse 6 Grad beträgt! SECHS Grad, nicht 40 Grad, nicht 30 Grad oder 20 Grad, sondern 6 Grad! Das könnte auch erklären, das bei Geradeaus-Spielern mit aggressiven Bällen und kleinem Bogen durchaus Strikeketten fallen können, wo Riesenbogen-Spieler mit Eckpins zu kämpfen haben.

In Hamburg kommt irgendwann die ungeduldige Aufforderung: Nu ma Butter bei de Fische! Was hat das ganze mit mir und meinem Spiel zu tun?

Die Bahn richtig bespielen, bedeutet die Verbindung von:

Bahnoberfläche (Oberflächenart, Topografie, Abnutzung des Belages, Umgebungsfaktoren), Bowlingball (Oberflächenart, Oberflächenstruktur, Kern, Layout), Spieler (Geschwindigkeit, Umdrehungen, Axis Rotation, Achsen Tilt) und Ölmuster (Öl, Länge, Ratio, Veränderungen).

Fazit: Es gibt keinen Wunderball, keine Wunderpille und keinen Hans-im-Glück-Bowler. Wie sagte schon Brian Voss so schön: Bowling ist Arbeit!

Nun ging Peter konkret und im Detail auf die Ölmuster der 1. Bl. ein. Er erklärte die Taktik bei der Eröffnung und die Reaktion auf Veränderungen und gab Tips zur Ballwahl.

Der praktische Teil bestand aus dem Spiel auf Bejing (35ft) und Tokio (43 ft). Eine taktische Variante auf short könnte sein, bewusst carry down zu produzieren, um die Reaktion der aggressiven Bälle kontrollierbarer zu machen.

Dazu nimmt man den Spareball und macht ein paar Würfe über die entsprechende Linie (Öllänge 35ft, Exitpoint: 35 ft – 31 = Leiste 4) bei paralleler Linie.

Nach nur wenigen Würfen gingen wir nach hinten und konnten uns davon überzeugen, wie das Öl nach hinten getrieben wurde.

Links die streifenförmigen Ölspuren. Rechts die  Vergrößerung. Es ist zu sehen, dass es nicht immer gleiche Streifen sind, sondern auch durchaus eine fleckenähnliche Verteilung.

Wie bereits beim Vortragen legt Peter wert darauf, das die Teilnehmer  sich nicht nur berieseln lassen, sondern verstehen, worum es geht.

Er fordert die Teilnehmer auf, nach hinten zur Bahn zu kommen und sich genau anzusehen, was bereits nach wenigen Würfen mit Plastikbällen mit dem Öl auf der Bahn passiert.

Nun ging es aber nicht mehr um Probewürfe, sondern um Strikes. Nicht zufällige, sondern gewollte! Peter gab den Tip für dieses kurze Ölmuster: Matter Ball, mit vorwärtsroll abgegeben und Exit-Point auf Leiste 4.

Leiste 4 ist ganz schön nahe am Gutter! Aber tatsächlich. Es funktioniert. Ohne großes Kurbeln, lief der Ball fast von alleine in die Gasse und… Strike.

…Und Strike…

                        …. Und Ratte….

Ups, kann ja mal passieren ;-)!

Entscheidend ist, vorher hätten die meisten wahrscheinlich einen polierten Ball mit viel Länge genommen und quer über die Bahn gespielt. Nun gibt es nicht nur eine Alternative, sondern einen sehr guten Ansatz!

Peter ließ die Teilnehmer vorerst spielen und beobachtete. Er schaute auf die Ballauswahl, die Linien und auf die Technik.

Man merkte, Peter ist nicht nur selber aktiver und ein herausragender Bowler, auch wenn er O-Ton: in der Alt-Herren-Liga (PBA Seniors Tour!) spielt, sondern auch Trainer.

Er erklärte verständlich und anschaulich und ermutigte die Teilnehmer, auch wenn nicht alles gleich klappte.

Freundlich, aber bestimmt, nicht aufdringlich, aber präsent!

Es war eine klasse Idee, nach der Theorie Teile davon in der Praxis auszuprobieren. Vieles konnte sich so verfestigen und motivierte die Teilnehmer sicherlich, Bowling nicht nur körperlich zu betrieben, sondern sich auch mehr Wissen anzueignen. Denn ab einem bestimmten Level, entscheiden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage!

Zum Abschluss appellierte  Peter noch einmal an die Teilnehmer, Bowling als Sport zu betreiben und zu trainieren. Am Besten nicht alleine, sondern mit Trainern und  / oder Videoaufnahmen.

Wurden nun die großen Versprechungen und Ankündigungen eingehalten? JA! Die Teilnehmer waren begeistert und ich gehe davon aus, dass viele sich auf die nächsten Seminare freuen!

Danke Peter, das war Klasse! Weiter so DBU!