Lehrwesen Bowling

 

Mir ist durchaus bekannt, dass wieder eine Diskussion geführt wird, ob das Ausbildungssystem in Deutschland den internationalen Anforderungen (noch) gerecht wird. Diese Diskussion sollte allerdings nicht nach einer WM ohne Medaillen geführt werden, sondern integraler Bestandteil des Lehrwesens sein.

Wünschenswert ist, dass jeder der mitdiskutiert auch weiß wie das Ausbildungssystem in Deutschland und den Alternativen der ETBF und USBC organisiert ist. Unten exemplarisch in Deutschland dargestellt für Berlin.

Deutschland

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erstellt Rahmenrichtlinien, in denen dieStruktur grundsätzlichen Strukturen und Konzepte für die Qualifizierung der Trainer festgeschrieben werden. Daraus resultieren z.B. Dauer, Art und Gültigkeit der bundesweit gültigen Trainerlizenzen:

Trainerassistent, mind. 30 LE, 2 Jahre “Gültigkeit” für die Anerkennung zur Erlangung der C-Lizenz im jeweiligen Bundesland.

C-Lizenz, mind. 120 LE, 4 Jahre Gültigkeit

B-Lizenz, mind. 60 LE, 3 Jahre Gültigkeit

A-Lizenz, mind. 90 LE, 2 Jahre Gültigkeit

Diplom-Trainer, Studium

Der Deutsche Kegler- und Bowlingbund (DKB) passt die Rahmenrichtlinien vom DOSB für den Kegel- und Bowlingsport an. Dem DKB unterliegt die Ausbildung der Trainer mit B-Lizenz zum Trainer mit A-Lizenz.

Die Deutsche Bowling Union (DBU) setzt die Rahmenrichtlinien von DOSB und DKB in der Ausbildung der Trainer mit C-Lizenz zum Trainer mit B-Lizenz um.

Der Landesfachverband Berlin für Kegeln und Bowling (LFV) ist verantwortlich für die Ausbildung der Trainerassistenten in Zusammenarbeit mit dem Disziplin-Lehrwart Bowling vom Berliner Bowlingsport Verein (BBV) und der Sportschule des Landessportbundes Berlin (LSB) zum Trainer mit C-Lizenz.

Die dem LFV untergeordneten Vereine bilden sportartspezifisch die Trainerassistenten aus. In Berlin für Bowling der Berliner Bowlingsport Verein (BBV).

ETBF

Die Ausbildung ist unterteilt in 3 Level:

Level I: 4 days, 30 Hours (4 X 7.5 hours), Training für Anfänger und Kinder

Level II: 4 days, 30 Hours (4 X 7.5 hours), Training für Wettkampfbowler

Level III: 6 days, 45 hours (6 X 7.5 hours), professionelle Trainer

Level I und II können hintereinander absolviert werden.

Um das Zertifikat zu erhalten müssen Level I Coaches noch für 8 Monate 150 Stunden praktisch unterrichten, Level II Coaches weitere 200 Stunden. Diese Stunden müssen vom Mitgliedsverband anerkannt und bestätigt werden.

Eine sehr gute Übersicht über dieses Programm findet sich bei YouTube:

USBC

Die Ausbildung ist unterteilt in 4 Stufen:

USBC Coaching Level I online course, Onlineseminar und anschließender Test, die Fragen können beliebig oft wiederholt werden, bis man besteht. Vermittlung von Basiswissen.

USBC Coaching Bronze course, 2 – 2,5 Tage-Kurs, Anfänger

USBC Coaching Silver course, 3 Tage-Kurs, Fortgeschrittene

USBC Gold Coach, Nachweis und Präsentation über Jahre andauerndes Training und unterrichten.

Weitere (Fort-) Bildungsmöglichkeiten

http://www.bowlingpage.de

http://www.usbcbowlingacademy.com

http://www.bowlingthismonth.com

Tausende Videos auf YouTube

Meine Meinung

Bei diversen Sportarten gehört Deutschland zur Weltspitze. Somit kann das Ausbildungssystem per se nicht schlecht sein.

Die Finnen, immerhin Sitz des KUORTANE OLYMPIC TRAINING CENTERs der ETBF Academy, haben mit Schweden auch “nur” je eine Bronzemedaille bei den Bowling WMC 2014 erreicht.

Wer schon einmal in einer Schulung gesessen hat, die sich hintereinander über mehrere Tage erstreckt hat, weiß, wie viel (oder wenig) von dem gelernten “hängenbleibt”. Hierbei ist es egal, wer die Schulung hält.

In dem oben stehenden Video wird eins ganz deutlich: ein Coach alleine kann nichts bewegen! Erst wenn Wissen und Erfahrung geteilt werden, kann eine breitere Basis leistungsfähiger Sportler (aus-)gebildet werden.

Die Frage ist also eher, wie kann die Ausbildung der Trainer verbessert werden!

International anerkannte USBC-Coaches und ETBF-Coaches können für Fortbildungsveranstaltungen der Trainer gebucht werden. Das gleiche gilt nicht nur für Bowlingcoaches, sondern auch für Mental- und Athletik-Trainer.

Weiteres und aktuelles Wissen kann einfach erworben werden durch Abo’s von Internetanbietern wie der Bowlingakademie, der USBC Bowling Academy und der Bowlingzeitung bowling this month.

Doch das kostet Geld!

Aber sind die Mitglieder der Bowlingvereine bereit mehr Beiträge zu bezahlen, damit die Trainer besser ausgebildet werden?

Wohl kaum, in Zeiten wo lieber angeprangert als unterstützt wird!

ABER:

Was wäre wenn es eine DBU-Academy für Trainer geben würde?

Wären die Trainer bereit einen ETBF-Trainer aus eigener Tasche zu bezahlen?

Ich bin fest davon überzeugt! Oder?

Zu guter Letzt sollte jedem klar sein, dass ein Schein (Trainerlizenz) erst einmal ein “Versprechen” ist, sein Wissen in den Dienst anderer zu stellen mit dem Ziel Leistungen zu verbessern!

Das sollte immer unterstützt werden. Denn ohne Trainer werden wir die Eltern der Kinder nicht überzeugen können sich für den Bowlingsport zu entscheiden!

Andererseits nützt mir ein Trainerschein nichts, wenn ich mich nicht austausche und von anderen erfahrenen Trainern lerne. Genauso nützt mir kein Trainerschein, den ich vor 20 Jahren erworben habe, wenn ich mich nicht permanent fortbilde.

Das deutsche Ausbildungssystem ermöglicht die Aus- und Fortbildung der Trainer in klar strukturierten und transparenten Schritten. Auch wenn leider mangels Interesse oder hoher Kosten immer wieder Ausbildungslehrgänge abgesagt werden, sehe ich durchaus Chancen die Ausbildungen zu verbessern.

In erster Linie durch den Erfahrungsaustausch der Trainer untereinander!

Seid ihr dabei?