Wie viele Tonnen bewegst Du?

Gerne werden Bowler verspottet, wenn Sie von Ihrer “Sportart” Bowling erzählen. Denn Sport wird häufig an der Schweißbildung und Muskelkater festgemacht.

Wer von den Nicht-Eingeweihten hat denn mal nachgerechnet?

Ein Pfund entspricht 453,59237 Gramm. Die meisten Männer spielen einen Bowlingball mit einem Gewicht von 15 Pfund. Bei einem Turnierstart mit Einspielzeit, 8 Spielen und 6 Spareversuchen pro Spiel liegt das bewegte Gewicht bei ca. 1000 Kg oder einer Tonne!!!! Selbstverständlich nicht blind in die Pins gedroschen, sondern nahezu ruhig und konstant, mit der gleichen Perfektion wie beim ersten Wurf, häufig über einen Zeitraum von mehreren Stunden voller Konzentration ausbalanciert abgegeben! Die Ballabgabe erfolgt über die Fingerkuppen des Mittel- und Ringfingers auf einem Bein stehend!

Bezogen auf die Schweißbildung kann man Streiten, ob man nur ins Schwitzen kommt, weil man einfach un-fit, bzw. nicht ausdauernd trainiert ist, aber den Muskelkater nach einer längeren Trainingspause vergisst so schnell kein Sportbowler ;-).

Ist Bowling eine Sportart?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, da Bowling häufig in geselliger Runde beim Bier und Kurzem stattfindet. WIRKLICH?In der Tat war ich zum Durchchecken beim Arzt, der neben den üblichen Fragen nach Erkrankungen auch etwas über meine sportlichen Aktivitäten wissen wollte. Als ich ihm ernsthaft Bowling als Sportart nannte, konnte er sich, trotz sichtlichem Bemühen, kaum vor Lachen auf dem Stuhl halten. Als er meinen Gesichtsausdruck sah, fühlte er sich genötigt, sein Lachen zu begründen: Er komme aus dem Rheinland, wo er auch studierte. Wenn er dann mit seinen Kumpels Bowlen war, ging es in erster Linie um Alkohol, Frauen und Partystimmung. Nebenbei wurden dann ein paar Kugeln nach hinten geschmissen. Ich konnte nicht anders und fragte ihn, ob er sich noch an seinen Muskelkater am nächsten Tag erinnern konnte, oder ob der andere Kater diesen übertüncht hatte. Er wurde schlagartig ernst und bestätigte seinen Muskelkater, speziell im Hintern. Gleichzeitig dämmerte ihm wohl, worauf ich hinauswollte. Somit war das Gespräch über Bowling als Sportart beendet und er bewegte sich wieder auf sicherem Terrain als Arzt.

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine e-mail von einem Schüler, der eine Hausarbeit schreibt und von mir wissen wollte, ob Bowling eine anerkannte Sportart ist. Sicherlich kann man dieses als Bowler bejahen. Immerhin fließen offizielle Fördergelder, es gibt Deutsche-, Europäische- und Weltmeisterschaften und nur wer regelmäßig trainiert wird auf Dauer erfolgreich sein. Aber: zumindest in Deutschland kann man in der Regel damit keine Familie ernähren und Bowling ist keine olympische Sportart, auch wenn weltbekannte Profi-Bowler wie Brian Voss dafür kämpfen, dass sich das ändert.

Sichtlich erleichtert war ich, als ich im Internet eine Seite mit Kaufangeboten über Kneipensport fand. Zur Auswahl standen Dart, Tischfußball, Airhockey und Billard! Zum Glück keine Bowlingbälle! Kleiner Scherz… ;-). Dennoch fehlt dem Bowlingsport, zumindest in Deutschland, die gesellschaftliche Anerkennung, obwohl es angeblich deutlich teurer ist, Bowling als Sportart zu betreiben, als zum Beispiel Golf! Anders sieht das in Skandinavien, Asien und Amerika aus. So gibt es in Amerika einige Profi-Bowler, die nur mit Preisgeldern mehrere Millionen Dollar verdient haben. Dazu können durchaus noch weitere Millionen durch Werbeeinnahmen und Sponsorengeldern kommen.Schauen wir uns doch mal an, wie man die Bowlingbetreibenden einteilen könnte:

Der Gelegenheitsbowler
Wie kommt man zum Bowling? Auch heute wird wohl die überwiegende Mehrheit auf Weihnachts- und Geburtstagsfeiern, oder aber mit den bereits erwähnten Kumpels, das erste Mal Kontakt zu Bowlingbällen haben. Der Gelegenheitsbowler betritt die Bowlinghalle häufig nur 2 – 3 Mal pro Jahr, meistens in der dunkleren Jahreszeit von September bis März, vorzugsweise Freitag- oder Samstagabend. Er wundert sich, dass er extra Schuhe leihen muss und weiß nicht so genau, warum die Kugeln verschiedene Farben haben und welche Finger in die Löcher sollen. Nachdem der vollständige Name (glücklich ist, wer keinen Doppelnamen hat) eingegeben wurde, landen die ersten Würfe in der Rinne und die langen (künstlichen) Fingernägel dazu.Bei einer Bahnbelegung von 5 – 6 Personen und vielen Getränken kommt in der kuscheligen Enge und lauter Musik beim Mondlicht-Bowling schnell eine super Stimmung auf. Je nach Pegelstand wird häufig festgestellt, dass die “Bahnen betreten verboten” – Schilder einen Grund haben! Öl!Die Ergebnisse sind nebenrangig, sollte Einer, oder natürlich auch Eine, zufällig über 100 kommen, so könnte das der nächste Mitarbeiter des Monats werden.

Der Partybowler
Der Partybowler unterscheidet sich vom Gelegenheitsbowler in erster Linie durch Wiederholungstaten! Die Gruppen sind kleiner, häufig 3 – 4 Personen und sie nutzen die Bowlingrunde als Warm-Up für die lange Wochenendsnacht.Sie haben sich daran gewöhnt, (geliehene) Bowling-Schuhe anzuziehen und wissen schon, in welche Farbe die Finger meistens passen. Auch haben sie schon Bekanntschaft mit dem Bodenbelag gemacht, so dass sie gebührenden Abstand von der Linie halten.Hier fallen schon häufiger Ergebnisse über 100, allerdings ist auch hier noch der Zielpunkt der erste Pin, sofern dieser noch erkennbar ist.

Der Freizeitbowler
Der Freizeitbowler verzichtet häufig auch nicht auf sein flüssiges Brot, trägt aber gerne seine eigenen Schuhe und es kommt vor, das er bereits eine eigene Kugel sein Eigen nennt.Er spielt schon regelmäßiger, so alle 2 Wochen für 2 Stunden im Winterhalbjahr. Da er gemerkt hat, das es irgendwie faszinierend ist, wenn beim 2. Wurf alle Kegel weg sind und auf der Anzeige ein Strich erscheint und der nächste Wurf dazuzählt, versucht er sich zu merken, wie er das geschafft hat. Er hat schon mal gesehen, dass auf der Anzeige Ergebnisse über 200 möglich sind und fragt sich, warum seine Kugel nicht so einen Bogen läuft, wie auf der Nachbarbahn.

Der Hausligabowler
Beim Hausligabowler könnte man die ersten Ansätze zum Sportbowlen beobachten. Er spielt jede Woche mindestens einmal. In der Regel hat er seinen eigenen Ball und eigene Schuhe und merkt, das unter zunehmendem Alkoholeinfluss seine Ergebnisse schlechter werden. Ausnahmen bestätigen die Regel! Er sucht die Herausforderung gegen Gleichgesinnte zu spielen und strebt danach seinen Schnitt zu verbessern. Früher oder später wird er selber die 200 knacken, denn er weiß inzwischen, dass es als Rechtshänder bessere Ergebnisse geben kann, wenn man den Ball zwischen den ersten und den rechts davon stehenden Pin spielt. Auch nutzt er öfters einen Räumball für die Eckpins. Als Rechtshänder ist speziell der 10’er Pin sein “Freund”.Er redet jetzt auch über Bälle und wie diese durchrutschen, weil die Bahn verölt ist. Obwohl er den teuersten Ball gekauft hat, läuft dieser nicht so, wie er das schon bei Anderen gesehen hat.

Der Vereinsbowler
Der Vereinsbowler ist als Sportbowler zu bezeichnen. Er bowlt mindestens einmal pro Woche, bis auf kleinere Pausen, das ganze Jahr hindurch. Alkoholgenuss während des Trainings ist seltener anzutreffen.Er hat häufig Bowlingschuhe mit auswechselbaren Sohlen und mehrere Bowlingbälle. Ein Räumball ist in der Regel selbstverständlich. Anpassung und Linien sind für ihn keine Fremdwörter. Er spielt im Ligabetrieb auf unterschiedlichen Hallen und hat von verschiedenen Ölmustern gehört. Seine Ergebnisse überschreiten unter einfachen Bedingungen gerne die 200. Auch ein 200’er Schnitt über mehrere Spiele kommt durchaus vor. Für Tipps, die sein Spiel (die Ergebnisse) verbessern, ist er dankbar und versucht diese umzusetzen.

Der Sportbowler
Wenn bereits der Vereinsbowler als Sportbowler zu bezeichnen ist, warum dann diese Abstufung vom Vereinsbowler zum Sportbowler?

Aus dem einfachen Grund: Bowling kann noch mehr sein!

Bowlingbälle: Er kennt die unterschiedlichen Oberflächen und Bohrlayouts

Anpassung: Er beobachtet den Lauf seines Balls und passt Aufstellung und Zielpunkt an

Linien: Je nach Ölmuster spielt er mit, gegen oder in die Bahn

Fitness: Er betreibt Ausgleichssport um einseitigen Belastungen entgegen zu wirken

Mentales Spiel: Er trainiert nicht nur seinen Körper, sondern auch seinen Geist (Kopfkino)

Idealerweise steht ihm ein erfahrener Coach und / oder Trainer zur Seite.

Wie alles begann

Im Jahr 2000 wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, mal zum Bowlen zu gehen. Ist voll cool, moonlight und top Musik. Der DJ veranstaltet viele Spiele, bei denen man nen “Kurzen” gewinnen kann. Als Kind hatte ich ab und zu gekegelt, aber noch nie gebowlt. So gingen wir dann Freitag Abend zum Partybowlen. Wir waren begeistert, spätestens nach dem 4. Kurzen war die Stimmung bombastisch. Gut, das wir zu Fuß nach Hause gehen konnten. Am nächsten Tag waren wir überrascht, wo man so überall Musketkater haben kann… Po, Oberschenkel, ja selbst die Unterschenkel waren neben dem Kopf verkatert. Ganz schön anstrengend und ungewohnte Bewegungen. Von da an verbrachten wir häufiger die Freitag Nacht auf der Bowlinganlage, wurden zu Stammgästen und lernten neben dem Personal auch andere Bowlingverrückte kennen.
Nur wenige Monate später gingen wir vorerst unregelmäßig auch in der Woche bowlen. Da gab es zwar kein moonlight und Animation, aber irgendwie fanden wir es fazinierend, die Kugel in die Pins zu schleudern und freuten uns, wenn wir beim 2. Wurf alle Pins weg hatten. Neben uns spielten immer wieder Leute mit eigenen Kugeln und Schuhen, die anders aussahen als die Schuhe, die man ausleihen kann. Wir fragten nach und man erklärte uns, dass man solche Dinge in ProShops kaufen kann. Das hörte sich sehr professionell und teuer an. Aber unsere Neugier war geweckt. Wir suchten also einen ProShop. Nur findet man den nicht so ohne weiteres in einem Einkaufszentrum. Also fragten wir wieder und man nannte uns ein paar Adressen in Berlin. Wir entschieden uns für einen Besuch bei bsl-bowlingservice.de. Dort wurden wir auch nett begrüßt und waren erstaunt, wie viele Artikel es für Bowling gibt. Bälle, Taschen, diverse Puder, Schuhe, Handgelenksstützen, Tücher, … Und das in allen Preisklassen.
Wir stellten schnell klar, dass wir noch Anfänger sind (obwohl das nicht wirklich nötig gewesen wäre ;-)). So kauften wir die klassische Einsteigerausrüstung, bestehend aus einfachen Schuhen, einer 1-Ball-Tasche und einem Plastikball, wobei es uns wichtig war, den Ball zu nehmen, der bei moonlight leuchtet! Damit zogen wir dann auch schnellstmöglich wieder ins Bowlingcenter um auszuprobieren, wie viel besser wir nun waren. Natürlich waren die gefühlten Werte höher, als die tatsächlichen. Aber wir waren einen Schritt weiter. Wieder Monate später erklärte man uns, dass es auf der Bahn und auf dem Anlauf Markierungen gibt, an denen man sich orientieren kann, um sich immer gleich aufzustellen. Als uns dann noch ein Räumplan vorgelegt wurde, der zeigt, wie man sich aufstellen soll um die stehengebliebenen Pins beim 2. Wurf zu treffen, war klar: Bowling ist weitaus komplexer!