Ball Reinigung 2012

Neue Bowlingbälle nehmen das Öl von der Bahn auf und verlieren dadurch bei schlechter Pflege nach ca. 60 Spielen deutlich an Reaktionskraft.

Diesen Vorgang kann man verlangsamen, wenn man den Ball nach jedem Wurf mit einem Mikrofasertuch abwischt.

Das reicht aber nicht. Deshalb sollte nach jedem Trainings- oder Spieltag der Ball richtig gereinigt werden.

Dafür haben sich die Wipe n’Strike Tücher etabliert. Die Tücher sind in Reinigungsflüssigkeit getränkt und werden nach Gebrauch weggeschmissen.

Dennoch lässt die Reaktion irgendwann nach. Das ist auch zu spüren:

Die Griffigkeit, das Quietschen, ist nicht mehr vorhanden , wenn man mit der Hand über den Ball fährt.

Relativ neu sind nun die Adrenaline® Ball Steroid Wipes.

Diese sind deutlich teurer, aber reinigen den Ball so, dass er sich wieder wie neu anfühlt. Ich empfehle die Tücher zur Anwendung vor dem Ligastart.

Ausgepackt fühlt sich das Tuch relativ rau an. Damit wird der Ball mit kreisenden Bewegungen gereinigt.

Danach wird das Tuch auseinander gefaltet und der Ball erneut mit der nicht so rauhen Oberfläche  mit kreisenden Bewegungen gereinigt.

Trotz regelmäßiger Reinigung mit den Wipe n’ Strike Tüchern holt man eine Menge Öl damit runter. Allerdings auch ein wenig Farbe.

Die überflüssige Flüssigkeit wird nun mit einem Mikrofaser Tuch vom Ball entfernt.

Wenn noch offensichtliche Öl- oder Dreckspuren sichtbar sind, wird der Vorgang wiederholt.

Die Tücher haben allerdings einen sehr unangenehmen Geruch.

Deswegen sollte die Anwendung nur in gut belüfteten Räumen durchgeführt werden.

Tip: Tüte in Plastikschachtel. Damit trocknen sie nicht aus und es stinkt nicht in der Tasche ;-)!

Ball-Reinigung mit Ultraschall

Ball-Reinigung und Entölung mit Ultraschall

Am 06.02.2010 konnte meine Neugierde endlich gestillt werden. Wochen zuvor fiel mir bei einem Ligastart im Berliner Bowlhouse die Werbung für die Reinigung von Bowlingbällen mit Ultraschall auf. Bislang habe ich im Web keine Erfahrungsberichte gefunden, so dass ich hiermit einen erstelle. Wer sich bisher noch nicht mit der Ballreinigung, bzw. -Aufbereitung beschäftigt hat, kann auf einen älteren Erfahrungsbericht zurückgreifen (KLICK).  Das Ultraschallgerät ist ca. 1m hoch und auch für die Reinigung von Bowlingpins konzipiert. In das Wasser wird ein Reinigungsmittel eingerührt und dann auf ca. 60 Grad mit der eingebauten Heizung erhitzt.  Der Bowlingball wird in eine Haltevorrichtung gelegt, damit die Reinigungsflüssigkeit den Ball gut umspülen kann.  Der Ball verbleibt weniger als 2 Minuten im Ultraschallbad und wird einmal etwas gedreht. In der Reinigungsflüssigkeit entstehen durch die Schwingung mit Frequenzen über 16 kHz viele kleine Bläschen, die ständig platzen. Dadurch werden die Schmutzpartikel regelrecht abgesprengt und in der Reinigungsflüssigkeit gebunden. Die ursprünglich klare Flüssigkeit trübte bereits nach wenigen Bällen ein und war nach mehr als 40 Bällen eher als Pampe zu bezeichnen.  Auf diesem Foto ist sehr schön zu sehen, wie das ausgelöste Dreckgemisch gebunden wird. Erwartungsgemäß war der Schmutzfilm auf polierten Bällen am wenigsten und auf den matten Bällen am stärksten ausgeprägt. Folgende Bälle habe ich entölt: Storm Agent (poliert), Storm Hy-Road (poliert), Lane#1 Dynamo (4000 grit). Der Agent ist (trotz hohen “Alters”) auch vorher noch gut gelaufen, die Reaktionsänderung war eher gering. Den Hy-Road hatte ich nicht mehr gespielt, da die Reaktion stark nachgelassen hatte. Nach der Entölung lief er wieder sehr stark, ich würde sogar sagen, fast wie neu. Der Dynamo lief ursprünglich eher flippig, die Reaktion wurde dann runder. Auch bei diesem Ball hat sich das Laufverhalten wieder sehr dem Ursprung genähert. Am letzten Spieltag der Berliner Landesliga haben weitere Mitglieder der Forschen Kugel, weibliche und männliche, ähnliches berichtet.

Interessant ist jetzt noch, wie lange der Effekt anhält. Darüber werde ich später wieder berichten.

Fazit: Die Entölung hat sich gelohnt, bei einigen Bällen den Neukauf sicherlich aufgeschoben, aber nicht bei allen Bällen gleichermaßen. Doch vor dem Neukauf ist es sicherlich einen Versuch wert!

Bowlingballrestauration

Erfahrungsbericht über Bowlingballrestauration

Dieser Bericht ist keine Anleitung, Bowlingbälle selber zu bearbeiten. Meine Erkenntnisse habe ich erlangt durch diverse Studien von Veröffentlichungen, z.B. den Seminarunterlagen von Werner Gessner (zu erwerben unter http://www.bowlingpage.de), Veröffentlichungen einiger Bowlingballhersteller, Gesprächen mit ProShop-Betreibern und vor allem durch viel Probieren. Die hier gemachten Aussagen entsprechen meiner persönlichen Meinung und Erfahrung und haben keinen Anspruch auf faktische Korrektheit, insbesondere bei chemischen Prozessen und Folgeerscheinungen.

Eine Haftung für Schäden jeglicher Art, durch Nachmachen der hier veröffentlichen Methoden, wird ausdrücklich ausgeschlossen. Sollten hier vorgestellte Methoden ausprobiert werden, so geschieht dieses ausdrücklich auf eigene Gefahr!

Dieser Bericht richtet sich an alle, die bereits über so genannte “tote Bälle” (dead ball syndrom) verfügen und aus diesem Grund häufiger neue Bowlingbälle kaufen. In der Regel wird der alte Ball eingelagert oder bei Ebay für ein paar Euro verscherbelt. Gerade Bowler, die erst seit wenigen Jahren diesen faszinierenden Sport betreiben, stellen häufig fest, dass neue Bälle sehr stark reagieren und die Ergebnisse unter ähnlichen Bedingungen kurzfristig spürbar nach oben gehen (sofern das Räumspiel nicht leidet…). Doch bereits nach wenigen Wochen, oder nach ca. 40-60 Spielen, lässt die Ballreaktion nach. Regelmäßig neue Bälle zu kaufen, mag da die nahe liegende Lösung sein, ist wahrscheinlich aber für die meisten Bowler finanziell nicht tragbar. Eine Alternative ist natürlich so gut zu Bowlen, dass die Veränderung der Ballreaktion durch entsprechende Bowlingtechnik ausgeglichen wird. Doch auch hierzu denke ich, ist ein großer Teil der ambitionierten Sportbowler (noch) nicht in der Lage. Aus diesen Gründen möchte ich hier meine Erfahrungen mitteilen, um vielleicht finanzierbare und kurzfristig umsetzbare Möglichkeiten aufzuzeigen.

Was unterscheidet Bowlingbälle?

Den “richtigen” Bowlingball für einen Bowler zu finden ist, bei entsprechend konstanter Ballabgabe, sicherlich ein wichtiger Aspekt für hohe Ergebnisse mit niedrigen Schwankungen. Was aber ist ein “richtiger” Bowlingball?  Grundsätzlich lässt sich dieses einfacher erklären, wenn wir den Ball aufteilen in Oberfläche, Kern und Bohrlayout. Häufig findet man unterschiedliche Wertungen bezüglich der Ballreaktion. In der Regel gehen aber die meisten Dokumentationen davon aus, dass die Oberfläche des Bowlingballs den größten Anteil an der Ballreaktion hat. Danach folgt der Kern und dann das Bohrlayout. Mit Bohrlayout ist nicht gemeint, dass der Ball optimal passt, ohne Verletzungen an der Haut zu verursachen, sondern die Positionierung der Bohrung in Bezug auf die Lage und Gewichtsverteilung des Kerns.   Ich möchte mich hier mit der Oberfläche des Bowlingballs beschäftigen, da diese wohl den stärksten Einfluss auf die Ballreaktion hat und am “einfachsten” anzupassen ist.   Die Oberfläche besteht aus einem Material (Urethane mit entsprechenden Zusätzen, natürlich wie bei vielen Dingen in geheimer Zusammensetzung) , das trotz der geölten Bahnen durch Reibung eine kurven- oder hakenförmige Bewegung des Balles ermöglicht, um einen optimalen Eintrittswinkel beim Pineinschlag zu ermöglichen. Es wird unterschieden in reaktive Bälle und reaktive Bälle mit zusätzlichen Partikeln, die ähnlich wie Spikes eine höhere Reibung im Öl erzeugen. Sowohl die reaktiven Bälle, als auch die Partikelbälle können entsprechend behandelt werden. Durch Polieren der Bälle rutschen die Bälle länger, haben dafür aber eine stärkere Reaktion im trockenen Bereich der Bahn. Wenn man die Oberfläche matt macht (abschleift) greifen die Bälle bereits im Öl, zeigen im Backend dann aber eine rundere und etwas schwächere Bewegung. Abhängig von den verwendeten Materialen, in Verbindung mit den Kernen und der Abgabe des Bowlers, können diese grundsätzlichen Unterschiede allerdings deutlich geringer ausfallen.

Wie kann ich meinen Ball reinigen?

Wir haben bereits über die verschiedenen Oberflächen gesprochen. Bei der Ballreinigung kommt jedoch noch ein weiterer Aspekt hinzu. Das unsere Bowlingbälle im Laufe der Zeit richtig dreckig werden, liegt zum Einen daran, das die Bälle auf der Bahn Öl aufnehmen und dann hinter dem Pindeck und im Balllauf zusätzlich mit Staub in Berührung kommen. Leider gibt es auch ungepflegte Bahnen, wo die Rinnen neben der Bahn nicht regelmäßig gereinigt werden und dementsprechend Rückstände von der Bahnpflege (Reiniger) und Staub durch “Ratten” nach hinten transportiert werden. Partikelbälle nehmen nicht nur das Öl-Staub-Gemisch auf, sondern können aufgrund der stärkeren Reibung durchaus durch Gummiabrieb im Ballrücklauf (durch den Transport auf die Ballablage) zusätzlich verdrecken.   Da durch das Öl-Staub-Gemisch die feinen Poren der Bowlingbälle verstopfen, kann der Bowlingball weniger Öl aufnehmen und zeigt eine geringere Reaktion. Vergleichbar ist dieses mit Schuhsohlen im Winter, wenn das Profil vollständig mit Schnee und Matsch verstopft ist. Es wird deutlich rutschiger. Aus diesem Grund sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den Bowlingball nach jedem Wurf trocken abzuwischen. Hier haben sich Mikrofaser Tücher bewährt, die je nach Ausführung besser oder schlechter geeignet sind. Ob diese im ProShop oder in der Drogerie gekauft werden, soll jeder selber entscheiden. Wichtig ist es, diese vor dem Gebrauch ohne Weichspüler zu waschen. Schon nach kurzer Zeit wird jeder sehen, dass alle Tücher bald einheitsgrau sind. Dann könnte der Zeitpunkt gekommen sein, diese Tücher erneut zu waschen…   Je nachdem wie viele Spiele pro Woche gemacht werden, empfiehlt es sich, die Bälle nicht nur trocken abzuwischen, sondern richtig zu reinigen. Diverse Bowlingballhersteller und einige Bowlingzubehörhersteller haben viele Produkte entwickelt. Gut geeignet sind diese, den Ball in kurzer Zeit weitestgehend oberflächig zu reinigen und schnell zu trocknen, so dass man diese Reiniger hervorragend während eines Turniers oder im Ligabetrieb anwenden kann und darf, sofern diese freigegeben sind.

Auf allen Reinigern wird ausdrücklich darauf hingewiesen, nach Gebrauch die Hände zu waschen und die Dämpfe möglichst nicht einzuatmen. In der Tat können Kopfschmerzen und Übelkeit bei längeren Putzsitzungen die Folge sein.

 Eine Auswahl der von mir getesteten Reiniger:

Lane Concepts, Extreme Clean, Herstellerunabhängiger Reiniger, entfernt mit dem Legends Ball Cleaner am stärksten den sichtbaren Dreck, riecht aber nach Ammoniak.

Legends Ball Cleaner, wird mit den Legends Bowlingbällen kostenlos mitgeliefert, auf der Rückseite findet sich der Hinweis “Ball Cleaner is for industrial use only”, reinigt sehr stark, aber riecht auch extrem und die Dämpfe verursachen bei mir schnell Kopfschmerzen, sollte in gut gelüfteten Räumen oder besser im Freien angewendet werden.

Storm, Reacta Clean (Cleaner für reaktive Bälle), Mega Bite (Cleaner für Partikelbälle), Reacta Shine ((Cleaner und Polish für reaktive Bälle) und Moon Shine ((Cleaner und Polish für Partikelbälle), ist das wohl am besten abgestimmte Reinigungssortiment, Storm gibt bei der Ballbeschreibung auch den empfohlenen Reiniger an, keine starke Geruchsentwicklung und gute Reinigungswirkung, aber im Verhältnis teurer.

Ebonite, Energizer Cleaner, für alle reaktiven Bälle und Partikelbälle, riecht angenehm nach Citrus, entfernt gut Öl, lässt aber hartnäckige Spuren auf den Bällen zurück.   Sehr empfehlenswert für die Wäsche zwischendurch sind Reinigungstücher, die Tuch und Reiniger in Einem sind, leider auch relativ teuer. Sicherlich gibt es noch viele Reiniger mehr, die besser und billiger sein mögen, aber bisher kenne ich diese nicht.   Ich erwähnte bereits, dass diese Reiniger aufgrund der schnellen Trocknung und guten Reinigungsleistung hervorragend geeignet sind, Bälle auf der Bahn zu reinigen. Die Kosten für eine regelmäßige Reinigung sind damit aber auch sehr hoch. Deshalb habe ich mit alten Bällen so genannte Haushaltsmittel ausprobiert.

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass eine Schädigung der Balloberfläche bei Nutzung durch Haushaltsreiniger nicht ausgeschlossen werden kann!

Wenn Haushaltreiniger ausprobiert werden, dann bitte nur an alten Bällen und nur mit Reinigern, die ausdrücklich für die Verwendung mit Kunststoffen empfohlen werden. Auf keinen Fall Benzin, Terpentin oder Ähnliches verwenden! Auch Azeton und Nagellackentferner würde ich nie nehmen. Vielmehr habe ich Küchenreiniger mit Fettlösekraft ausprobiert. Vom normalen “Spüli” fürs Geschirr (in dem man ja angeblich die Hände baden kann) bis hin zu Multifettlösern. Ich denke, wenn wir Reinigungsmittel verwenden, mit denen wir auch unser Geschirr und Plastikschüsseln reinigen, ist der Schaden an den Kugeln relativ gering und kalkulierbar. Wer sicher sein möchte, dass sein Ball keinen Schaden nimmt, sollte seine Bälle nur mit von den Ballherstellern empfohlenen Reinigern behandeln.

Wichtig bei der Reinigung mit den Haushaltreinigern ist, den Reiniger nicht konzentriert zu verwenden, sondern gemäß Gebrauchsanleitung mit Wasser zu verdünnen. Dabei mit einem Mikrofaser Tuch und leichtem Druck mit handwarmen Wasser den Schmutz entfernen. Danach den Ball nur mit dem Tuch und fließendem Wasser abspülen. Diese Prozedur sollte nicht übertrieben werden, maximal 5 Minuten.

Mein Ball habe ich regelmäßig gereinigt, dennoch hat die Reaktion deutlich abgenommen! Was kann ich tun?

Trotz sorgfältiger Reinigung wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem wir feststellen, dass der Ball nicht mehr soviel macht. Woran liegt das? Darauf eine Antwort zu finden, ist für mich nicht möglich. Es gibt allerdings 2 Theorien von Bowlingballherstellern:   Die Firma Ebonite hat herausgefunden, dass das Problem an den Weichmachern im Kunststoff liegt. Um dieses Problem zu lösen, haben Sie ein System erfunden, welches unter dem Namen “Powerhouse™ Hook Again Treatment Kit” vermarktet wird. Der Ball wird In eine Kunststoffform gelegt und mit einem Pulver aufgefüllt. Die genaue Zusammensetzung ist natürlich nicht bekannt, aber es besteht aus einem schwarzen Pulver, Sägespäne und Partikeln, die Glassplittern ähneln. Der Ball soll mindestens 1 Tag darin liegen (ohne Wärmezufuhr). Meine Tests haben allerdings nach einem Tag keine spürbare Reaktion erkennen lassen. Nach 2 oder 3 Tagen habe ich jedoch ein bisschen das Gefühl gehabt, der Ball würde wieder stärker reagieren. Abgesehen von der aus meiner Sicht nicht gerade optimalen Verbesserung, der langen Dauer und der doch durchaus hohen Kosten kann ich diese Methode, dem dead ball syndrom zu begegnen, nicht empfehlen. Allerdings bieten einige ProShops diese Methode an, so dass der Bowler diese als Dienstleistung in Anspruch nehmen kann, ohne erst einmal höhere Investitionen zu tätigen.

Brunswick hat wiederum das in den Ball eingedrungene Öl als Hauptursache für die nachlassende Reaktion herausgefunden. Wer dieses nicht glaubt, dem empfehle ich, in den aktuellen Ballbeschreibungen nachzulesen.

Beispiel: Zitat Product Information sheet & Drilling Instructions  Vapor Zone: “If after restoring the original factory finish you feel your Brunswick ball has still lost some of its hooking action, remove the oil from the ball by gently warming it with either the Revivor or Rejuvenator Pro Shop devices that have been designed for this purpose. This service is available, for a fee, at many Pro Shops. Brunswick’s testing has shown that by combining the restoration of the factory finish, resurfacing of the track and oil removal your Brunswick ball can maintain its original “Out of the Box” reaction for hundreds of games.

Nach dem Aufarbeiten des Balles mit entsprechenden Mitteln (ich komme später darauf zu sprechen) wird also ausdrücklich empfohlen, das Öl durch gently warming zu entfernen! Den entsprechend dafür konstruierten Ofen kenne ich leider nicht und finde auch kein entsprechendes Kaufangebot im Internet. In diversen Foren wird heftig über den Einsatz von Wärme zum Ölentfernen diskutiert. Von Partikelverschiebung, Zusammenschmelzen und Verstopfen der Poren, Erweitern der Poren durch Entweichen von Weichmachern, etc, finden sich viele Einträge. In etlichen Gesprächen mit Bowlern habe ich auch “Geheimtricks” erfahren, die ich hier gerne präsentiere, aber definitiv davon abraten möchte:

Bowlingball im Kochtopf auskochen:  Bloß nicht! Neben einer garantierten Sauerei in Form einer Öl-Farb-Brühe ist die Temperatur nicht nur zu hoch (annähernd 100 Grad), sondern ungleichmäßig verteilt. Starke Erhitzung unten und geringe Erhitzung oben, wenn der Ball nicht vollständig mit Wasser bedeckt ist. Da der Bowlingball aus mehren Materialien besteht, die sich unterschiedlich stark ausdehnen, kann abgesehen von Schädigungen der Oberfläche, der Ball platzen!

Bowlingball in die Sonne legen: Sicherlich findet hier eher eine gleichmäßigere und geringere Erwärmung statt, dennoch schädigen die Sonnenstrahlen diverse Kunststoffe. Man kann dieses z.B. am Ausbleichen von nach Süden ausgerichteten Verkehrsschildern sehen. Außerdem scheint die Sonne in der Regel (in Deutschland) nur im Sommer stark genug.

Auf die Heizung legen: Auch hier haben wir eine deutlich stärkere Erwärmung an der Unterseite, während die Oberseite weitestgehend kühl bleibt. Deswegen (Gefahr von Platzen des Balles) nicht zu empfehlen.

Ball in die Geschirrspülmaschine: In der Tat wird in der Regel eine gleichmäßigere Erwärmung stattfinden und der Dreck gleich mit entsorgt. Allerdings dauert so ein Spülgang ca. 45 – 75 Minuten und das bei einer Temperatur von teilweise über 60 Grad. Außerdem ist der Standardreiniger sehr aggressiv. Aufgrund der langen Erwärmung könnte auch hier ein Platzen des Balles die Folge sein und der aggressive Reiniger könnte die Oberfläche schädigen.

Es lassen sich sicherlich noch deutlich mehr Beispiele dafür finden, wie man das Öl aus den Bällen “ziehen” kann.   Nachdem ich von der Ebonite-Lösung eher enttäuscht war, entschloss ich mich, auszuprobieren, ob das “Entölen” besser, billiger und schneller funktionieren kann. Folgende Überlegungen stellte ich an:

Es sollte keine “Sauerei” geben

Es sollte unabhängig von der Jahreszeit sein

UV-Strahlung wollte ich meinen Testbällen nicht zumuten

Es sollte eine gleichmäßige und kurzfristige Erwärmung geben, um ein Platzen des Balles weitestgehend zu vermeiden   Ich entschied mich für unseren Ofen und Heißluft (OHNE GRILL UND MIKROWELLE!!!!). Doch was bedeutet jetzt gently warming? Da es im Sommer durchaus möglich ist, dass die Innentemperatur des Autos ca. 60 Grad betragen kann, entschied ich mich zu glauben, dass diese Temperatur den Bällen nichts anhaben kann, da nicht zu erwarten ist, das Bowler in den wärmeren Regionen regelmäßig die Bowlingbälle in klimatisierten Räumen lagern. Obwohl es durchaus denkbar ist, dass die Bälle im Auto mehrere Tage hintereinander für viele Stunden bei diesen Temperaturen im Auto liegen, war ich lieber vorsichtig, wählte nur 50 Grad und nahm den Ball bereits nach ca. 4 Minuten aus dem Ofen.

Das der Ball ölig wird,  habe ich erwartet und so stellte ich einen blauen Ballring in die Mitte des Ofens und legte darüber ein Stück Papier von der Küchenrolle.

Da die Temperatur gering und der Aufenthalt im Ofen nur kurz war, kann ich den Ball mit bloßen Händen aus dem Ofen nehmen. Allerdings lässt sich der Ball besser halten, wenn man ihn mit einem Geschirrhandtuch umwickelt. Bitte auf jeden Fall darauf achten, das er nicht aus der Hand rutscht! Doch was macht man jetzt mit dem öligen Ball? Auf keinen Fall unter kalten Wasser abspülen! Ich habe die besten Erfahrungen gemacht, in dem ich einen weiteren Ring in der Spüle platziert habe und den Ball zuerst direkt mit Fettlöser (Spülmittel, siehe oben) besprühe. Dann warte ich kurz und wische den Ball mit einem Mikrofasertuch ab. Danach wird dieser mit einem Geschirrhandtuch abgetrocknet. Jetzt kommt er wieder für ca. 4 Minuten in den Ofen. Je nach Verölung wird dieser Vorgang mehrmals wiederholt. Irgendwann bleibt der Ball trocken, dann wird er noch einmal mit Fettlöser besprüht und mit einem Mikrofaser Tuch abgerieben. Jetzt abkühlen lassen und dann mit lauwarmen Wasser abspülen, um die Reste des Fettlösers zu entfernen.

Wer jetzt mit den Händen über den Ball gleitet, wird unweigerlich feststellen, dass es ein ähnliches Feeling und Quietschen ist, wie bei neuen Bällen.

Ergänzung am 19.03.2006: Die Wirkung im Ofen lässt sich noch deutlich verbessern, wenn der Ball vorher mit ca. 400 grit angeschliffen wird, da durch das Anschleifen die Poren geöffnet werden. Bowlingballhersteller MoRich empfiehlt dieses, um den Ball dann in einem warmen Wasserbad zu entölen. Allerdings ist dann eine weitere Bearbeitung (feinerer Schliff, Polish) zwingend erforderlich, sofern der Ball nicht ein sehr mattes Finish haben soll.  

Ob der Ball durch Erwärmen Schaden nimmt, und in welcher Form, kann ich leider nicht klären. Also habe ich nach gründlichen Abwägungen alte, abgespielte Bälle bei Ebay ersteigert und ausprobiert. Mit dieser Methode haben selbst vor Jahren produzierte Bälle, die mehrfach umgebohrt waren, wieder eine deutlich stärkere Reaktion gezeigt. Natürlich ersetzt diese Methode keinen neuen Ball, da auch hier die technische Entwicklung deutlich fortschreitet. Aber bevor ich einen Ball wegschmeiße oder verramsche, wird er auf diese Art und Weise entölt.

Inzwischen ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass die Bälle nach ca. 3-6 Monaten, je nach Häufigkeit des Spielens, entölt werden. Bisher zum Glück immer mit Erfolg und ohne erkennbare oder spürbare Schäden.

Vorsicht: Alte Bälle, die bereits starken Temperaturschwankungen ausgesetzt waren (lagernd im Auto im Winter und Sommer), könnten bei zu hohen Temperaturen platzen. Weiterhin ist es denkbar, dass der Ball nach dem Entölen durchaus mehr Öl aufnimmt als vorher. Da er damit auch stärker reagiert (der Laufring läuft über trockene Bereiche) ist das kein Problem, da ich das Entölen jederzeit wiederholen kann. Dennoch sollte sich jeder überlegen, ob er damit leben kann, wenn der Ball kaputt geht. Also, nie mit neuen Bällen!

Ich habe meinen Ball regelmäßig abgewischt, gereinigt, entölt und dennoch hat die Reaktion deutlich abgenommen! Ist es jetzt Zeit für den Mülleimer?

Nein! Wenn jetzt der Ball nicht mehr so stark reagiert, liegt es sicherlich daran, dass die Oberfläche beim Laufring durch die entsprechenden Spiele, vielleicht auch auf trocknen Bahnen, einfach abgenutzt ist. Hier hilft in der Regel das Abziehen, oder einfach Abschleifen. Eigentlich bietet dieses jeder ProShop als kostenpflichtigen Service an. Jedoch kann man durch das Abschleifen auch den Lauf des Balles bewusst verändern.  Links sieht man unseren Ballspinner, bezogen über www.bowlingshop24.de direkt aus den USA. Wichtig bei Importen ist, auf die 220V zu achten, und in den Preis mit einzukalkulieren, dass gegebenenfalls der Stromstecker ausgetauscht werden muss. Das Prinzip ist ganz einfach: der Ball kommt ins Körbchen und dieses dreht sich. Gute Ballspinner haben einen Motor, der auch unter Druck (zum Polieren benötigt) noch mit konstanter Geschwindigkeit dreht und nicht langsamer wird, bzw. überhitzt.

Vom Drehen alleine wird der Ball bei diesem Modell leider nicht geschliffen. Hierzu können folgende Hilfsmittel genutzt werden: Scotchbrite-Schwamm, grüne Oberfläche, ca. 400 grit, Scotchbrite-Schwamm, rote Oberfläche, ca. 1200 grit, wasserfestes “Sandpapier” , bzw. Schmirgelpapier. Grundsätzlich sollte der Ball nur nass abgeschliffen werden. Zum Einen entstehen sonst hohe Temperaturen, zum Anderen, viel wichtiger,  drückt man den Staub in die Poren. Das Wasser bindet den Staub und der Schliff wird wesentlich feiner. Allerdings fliegen damit farbige Spritzer durch die Gegend (mehrere Meter). Deshalb haben wir im Baumarkt eine große Kunststoffkiste gekauft, in der unser Ballspinner steht.   Hier sehen wir einen Ball, der nach dem Schleifen matt ist. Doch wie matt kann er sein? Storm und Brunswick empfehlen das stufenweise Abschleifen. Man beginnt mit relativ groben Schmirgelpapier, 240 – 320 grit, und wird dann mit jedem Schleifgang feiner, bis je nach Wunsch 600, 800 oder 1000 grit erreicht sind. Grit gibt die Körnergröße auf dem Schmirgelpapier an. Mit dem groben Schleifpapier werden kleinere Kratzer mit entfernt, mit den feineren bestimmt man das spätere Laufverhalten. Durch das Schleifen werden bewusst größere oder kleinere Spuren in den Ball geschliffen, die entsprechend größere, bzw. kleinere Reibung im Öl erzeugen. Doch nicht nur die Größe, bzw. Tiefe der Spuren bestimmt das Laufverhalten, sondern auch die Richtung der Spuren. Man kann den Ball parallel zum Laufring schleifen,  senkrecht dazu oder parallel und senkrecht. Letzteres gibt insgesamt den größten Biss auf der Bahn. Welches Finish ich meinem Ball gebe, hängt davon ab, ob ich eher auf öligen Bahnen, bzw. Linien spiele oder auf Trockneren, ob ich eher weniger oder mehr Umdrehungen erzeuge und mit welcher Geschwindigkeit ich bowle. Wer jetzt findet, dass das sehr schwammig ausgedrückt ist, dem gebe ich Recht! In der Tat probieren wir immer wieder verschiedene  Stufen aus, um für jeden Ball das für unser Spiel “optimale” Finish zu erreichen.

Neben den matten Bällen gibt es noch die polierten Bowlingbälle, die eher länger laufen, hinten aber eine stärkere Reaktion zeigen. Grundsätzlich kann man aus jedem matten Ball einen polierten Ball, und umgekehrt, machen. Die Hilfsmittel sollte man hier jedoch nicht im Bauhaus kaufen, sondern im ProShop. Zwar gibt es im Bauhaus auch Politur, z.B. für Autos oder Fußböden, diese sind jedoch für andere Materialien (Lack, Linoleum, …) Der Ballhersteller Legends ist auch hier wieder Vorreiter und liefert die Bälle nicht nur mit dem o.g. Reiniger aus, sondern auch mit einem Streifen Schleifpapier und Politur! Um den Ball zu polieren, benötigt man einen Ballspinner, die Politur und entweder ein Geschirrhandtuch oder einen Polierhandschuh aus Baumwolle. Die Bowlingballhersteller empfehlen in der Regel die Verwendung der eigenen Marke, unterstützen aber auch andere. Im Prinzip besteht die Politur aus sehr kleinen Körnern und einer wachsähnlichen Flüssigkeit. Auch wenn polierte Bälle immer gereinigt werden, wird im Laufe der Zeit die “Wachsschicht” entfernt und damit nimmt die Reibung im Trockenen Backend-Bereich ab. Deswegen sollte in regelmäßigen Abständen der Ball nach der Reinigung kurz anpoliert werden!

Das Polieren sollte, wie auch das Abschleifen, erst nach gründlicher Reinigung, gegebenenfalls auch Entölung, durchgeführt werden. Brunswick empfiehlt vor der Verwendung von “Rough Buff” (z.B. für Absolute Inferno, Vapor Zone) einen Abschliff mit 220 grit, und dann für ca. 2-4 feet mehr Länge ein stufenweises Erhöhen auf 320, 400, 600 und 800 grit. Für die Verwendung des “High Gloss Polish” einen Abschliff mit 400 grit, und dann für ca. 2-4 feet mehr Länge ein stufenweises Erhöhen auf 600, 800, 1200 und 1500 grit. Diese Aussagen sind für den Normalbowler natürlich nicht bindend, sondern geben nur eine Vorstellung über die Möglichkeiten. Auch hier haben wir verschiedene Polituren ausprobiert und haben für unser Spiel den größten Erfolg, auch mit Bällen von anderen Herstellern, mit “Rough Buff” von Brunswick erzielt. Auch hier gilt: Ausprobieren, was auf den bespielten Bahnen am Besten klappt!